Das Bild von Energiegemeinschaften und ihrer Rolle im zukünftigen, nachhaltigen Energiesystem lässt sich immer präziser zeichnen. Was denken KundInnen über Energiegemeinschaften und welche Erfahrungen haben sie schon damit gemacht?

 

Antworten auf diesen Fragen lieferte die Session „Energiegemeinschaften aus Kundensicht“, die Green Energy Lab am 27. Mai 2020 als 3. Innovator Circle Event im Rahmen der online-Event-Reihe von Mission Innovation Austria veranstaltete.

 

Zur Eröffnung unterstrichen Michael Paula vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) und Theresia Vogel vom Klima- und Energiefonds die Bedeutung von Kooperation für Innovation und Nachhaltigkeit. Sie betonten die wesentliche Rolle der FTI-Initiative Vorzeigeregion Energie, mit den drei Vorzeigeregionen Green Energy Lab, NEFI und WIVA P&G, zur Stärkung des Innovationsstandorts Österreich für den globalen Wettbewerb.

 

Danach war Green Energy Lab als Gastgeber am Zug: Susanne Supper, Cluster Managerin des Green Energy Labs, erläuterte den starken Fokus auf die Systemintegration von erneuerbarer Energie und die Einbindung von KundInnen in Innovationsprojekt. Das Thema Energiegemeinschaften stellt einen Kristallisationspunkt für beide Aspekte dar; Green Energy Lab griff das Thema daher nicht nur im Rahmen des Innovator Circle Events auf, sondern beispielsweise auch in einer kürzlich erschienen Green Tech-Radar-Publikation, die ebenfalls dem Thema Energiegemeinschaften gewidmet war und ein Service-Angebot von Green Energy Lab für seine Innovator Circle Mitglieder darstellt. Der Innovator Circle umfasst bereits mehr als 200 Partnerunternehmen, die den zentralen Pool für die Entwicklung und Umsetzung von Energieinnovationsprojekten darstellen. Diese zentrale Rolle im Energieinnovationssystem wurde auch kürzlich im Rahmen einer Befragung der Innovator Circle Mitglieder, die Christian Kurz, R&D-Manager im Green Energy Lab, präsentierte, untermauert.

 

Nach dem Auftakt, in dem Green Energy Lab im Fokus stand, erwartete die mehr als 150 TeilnehmerInnen ein breiter Bogen an spannenden Fachvorträgen.

 

Die bisherigen Erfahrungen mit den Erwartungen von KundInnen an Energiegemeinschaften stellten Jan Fath von der Energie Steiermark und Dominik Jarmer von der EVN in ihrem gemeinsamen Vortrag dar: Dem Zitat von Epikur folgend, demnach „die Gemeinschaft der Menschen nicht von Natur aus besteht, sondern um des Zuträglichen und des Bedürfnisses willen“ beschäftigten sie sich in mehreren Untersuchungen mit den Wünschen und Bedürfnissen von KundInnen . Eine wesentliche Erkenntnis ist, dass Komplexität reduziert werden sollte und Energiegemeinschaften einen (Be)Treiber brauchen, der die entsprechende Expertise einbringt und das Vorhaben vorantreibt.

 

Bereits einen konkreten Ansatz, wie Energiegemeinschaften verwirklicht werden können, lieferte Fritz Dimmel, Co-Gründer des Start-ups eFriends GmbH, das einen digitalen Strom-Marktplatz – kombiniert mit einer analogen „Energiebilanz-Watch zur Visualisierung der Energiebilanz – bietet. Über die Plattform können KundInnen unkompliziert ihren selbst produzierten Strom untereinander handeln.

 

Die Nutzung einer digitalen Plattform wurde auch von Johannes Reichl vom Energieinstitut an der Johannes Kepler Universität Linz als wichtiges Werkzeug zur Einbindung von KundInnen präsentiert. Laut der europäischen ECHOES-Umfrage, die Reichl vorstellte, glaubt der Großteil der befragten Personen aus mehr als 20 Ländern daran, durch das eigene Verhalten einen Beitrag zu einer nachhaltigen Energiezukunft leisten zu können.

 

Die Rolle und Einflussmöglichkeiten der Einzelpersonen beleuchtete auch Daniel Bell, Soziologe an der FH Technikum Wien, der in seinem Vortrag auf die Lessons learned zur Nutzereinbindung am Beispiel des Green Energy Lab-Projekts R2EC- Regionale erneuerbare Energiezellen einging.

 

Sabine Erber, Architektin und Projektleiterin am Energieinstitut Vorarlberg, schilderte die Erkenntnisse aus der Simulation einer lokalen Energiegemeinschaft am Beispiel des Dorfes Sibratsgfäll im Bregenzer Wald: Aus den simulierten Szenarien ließ sich kein wirtschaftlicher Betrieb einer lokalen Energiegemeinschaft ableiten, wohl aber die Möglichkeit, eine kommunale Gemeinschaftsanlage umzusetzen.

 

Daran knüpfte auch Thomas Vogel, Projektleiter bei der Energie Tirol an: Er brachte die Erfahrungen aus der Umsetzung einer PV-Gemeinschaftsanlage in Tirol ein, die die Basis für die Entwicklung von Handlungsempfehlungen war – auch in Hinblick auf rechtliche (Musterverträge) und finanzielle (Aufteilungsschlüssel) Aspekte.

 

Den Abschluss des Vortragsreigens machte Christian Reichel von der Wien Energie mit einem Einblick in das Wiener Projekt Viertel Zwei, bei dem der Gemeinschaftsgedanke weit über die Energiedimension hinaus geht. So werden nicht nur Energy Community-Ansätze verfolgt, sondern auch innovative Mobilitätskonzepte für die BewohnerInnen im Grätzel oder IoT-Ansätze für das neue, urbane Wohnen.

 

Ganz im Sinne der Einbindung und Interaktion wurden die mehr als 150 TeilnehmerInnen an dem online-Event mehrmals gebeten, ihre persönlichen Einschätzungen zu bestimmten Fragen rund um Energiegemeinschaften kundzutun: Bei den diversen Abfragen zeigte sich ein hoher Zuspruch und auch ein hohes persönliches Interesse, sich aktiv an einer Energiegemeinschaft zu beteiligen. Besonders die Aspekte „Persönlicher Beitrag für das nachhaltige Energiesystem“, „Regionalität“ und „aktives Mitwirken“ punkteten bei den Teilnehmerinnen.

 

Wir bedanken uns beim Green Energy Lab für die inhaltliche Gestaltung, allen Vortragenden und den mehr als 150 TeilnehmerInnen für ein gelungenes Event und das rege Interesse!

 

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